Freitag, 30. März 2012
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Sonntag, 4. März 2012
10 Gründe für den fahrscheinlosen Nahverkehr auch im Rhein-Main-Gebiet
1. Die Automaten
Monströse langsame Ungetüme, die von einer großen Anzahl potentieller Kunden nicht mehr zu bedienen sind. Es kommt immer häufiger vor, dass ich von wildfremden Menschen um Hilfe bei der Bedienung gebeten werde, der ich unter Schwierigkeiten auch nachkomme.
Diese Automaten kosten Geld für Wartung und Lizenzen sowie Datenanschlusskosten. Sie müssen geleert werden, für verschiedene Zahlungssysteme abgestimmt werden und sind immer wieder Ziel von Vandalismus. Oft genug funktionieren sie nicht, manchmal sogar alle auf dem ganzen Bahnhof.
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2. EC-Karten-Skimming
Eigentlich ein Unterpunkt der Automaten, aber ein besonderes Ärgernis. Vor der Umstellung funktionierte wenigstens noch die Geldkarte, nun ist zur Bezahlung die Eingabe der PIN erforderlich. Müßig zu erwähnen, dass dies für Ganoven, die sich auf das Abgreifen von Kartendaten spezialisiert haben, ein weiteres Zielobjekt ist. Und am Mainzer Hauptbahnhof haben sie das genau mit diesen Automaten bereits einmal durchgezogen (http://www.rhein-zeitung.de/nachrichten_artikel,-Mainz-Skimming-an-Fahrtkartenautomat-der-Bundesbahn-_arid,319543.html).
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3. Das Tarifsystem
Kacheln, Übergangstarife, Gebiete, Anschlussfahrkarten „mit oder ohne Umweg über“. Selbst wer Zeitkarten besitzt, ist nicht davor gefeit, bei Fahrten außerhalb „seines“ Gebietes Nummern auswendig zu lernen, um sie anschließend in einem der unsäglichen Automaten einzugeben. Kurzstrecken nach Gleiskilometern, die nichts mit der realen Entfernung zu tun haben.
Warum Preise übrigens immer teurer werden, je weiter weg man von Frankfurt wohnt, obwohl es nicht gerade mehr Gleiskilometer außerhalb der Ballungsräume gibt, erschließt sich auch nicht. Die Einwohner Frankfurts zahlen weniger, haben aber die beste Infrastruktur zur Verfügung und müssen erfahrungsgemäß seltener nach „außen“ als die Fahrgäste von außerhalb in die Stadt.
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Dazu die Ausnahmen: Bahnkarte oder nicht. Gruppenfahrkarten. Und sogar für den Fernverkehr, der mit der "City"-Option zwar die Nutzung des ÖPNV im Zielgebiet ermöglicht, muss man doch wieder Fahrkarten für den Weg zwischen Zuhause und Bahnhof kaufen. Wer durch dieses System durchsteigt, hat Bahnfahren vorher 4 Semester studieren müssen.
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4. Erste Klasse
Dazu kommt dann noch eine Errungenschaft des 19. Jahrhunderts, die Erste Klasse. 16 bis 17 Sitzplätze pro Kurzzug, welche selbst bei hoffnungslos überfüllten Zügen von den obrigkeitshörigen Deutschen nicht benutzt werden. Gelegentlich ist die erste Klasse dann aber doch mal von Abhängigen, die sich hier ungestört ihren Schuss setzen, besetzt.
Und ob die Sitze so viel komfortabler sind und das kleine Tischchen einen Mehrwert darstellt, dass sie einen Preisaufschlag rechtfertigen, sei dahingestellt. Die Abteile der ersten Klasse gehören als erstes abgeschafft.
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5. Kontrolleure
Im RMV-Gebiet kosten die Kontrollen jedes Jahr ca. 12-14 Millionen Euro (http://www.fr-online.de/wirtschaft/verkehrsunternehmen-schwarzfahrer-sollen-mehr-zahlen,1472780,11555308.html). Daneben gibt es dann noch zu bezahlende Gewerberäume zur Fahrkostennacherhebung. Diese kann oft genug gar nicht durchgeführt werden, weil es einigen Armen in dieser Gesellschaft völlig egal ist, wie oft sie „erwischt“ werden.
Auch ich bin schon versehentlich – weil ich vergessen hatte, meine Monatskarte nach Ablauf neu zu kaufen – schwarz gefahren (völlig unnötig, da mein Arbeitgeber die Fahrtkosten übernimmt). Wie schön wäre es, jederzeit irgendwo einsteigen zu können, ohne über Fahrkarten nachdenken zu müssen.
Einige Kontrolleure sind auch nicht gerade für Freundlichkeit bekannt und können richtig fies werden, sofern sie es mit einem ihrer Meinung nach asozialen Subjekt der Gesellschaft zu tun bekommen. Mangelende Flexibilität sind an der Tagesordnung, selbst wenn es um Kinder geht (http://www.rp-online.de/region-duesseldorf/ratingen/nachrichten/busfahrer-wirft-kinder-raus-1.1283142).
Diese Jobs sind zudem nicht förderungswürdig, da sie auch noch schlechter als schlecht bezahlt werden. Als Zugbegleitung am Abend könnte ein Teil der Kontrolleure mit besserem Gehalt weiterbeschäftigt werden.
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6. Werbung
Auch solche absurden Werbungen für weitere überflüssige Tarifabwandlungen kosten Geld und führen bereits am Morgen beim ahnungslosen Betrachter zu Brechreiz. Wieso für öffentliche Dienstleistungen geworben werden muss, ist mir sowieso schleierhaft, aber auch dieser Budgetposten könnte problemlos eingespart werden.
7. Familien- und Sozialpolitik
Ein fahrscheinloser ÖPNV wäre für Familien ein Segen. So geht für eine Schülermonatskarte schon mal die Hälfte des Kindergelds drauf. Bedürftige kriegen zwar den Frankfurt-Pass, aber warum überhaupt noch eine bürokratische Hürde mehr, wenn es auch einfacher ginge?
8. Die Finanzierung
Die Einnahmen aus Fahrkarten machen 600 Millionen Euro im Jahr aus (http://www.fnp.de/tzh/region/lokales/usinger-land/rmv-wir-sind-nicht-so-teuer_rmn01.c.9509878.de.html). Nur durch die Bevölkerung Frankfurts geteilt (ca. 660.000) würde dies eine Abgabe von 75 Euro im Monat bedeuten, das ist bereits weniger als eine Monatskarte für das Tarifgebiet kostet. Noch günstiger wird die Rechnung nach Herausrechnen der Automaten, Lizenzen, der Kontrolleure, der Werbung sowie sonstiger Kosten (z.B. Druck der Tarifinformationen).
Sobald alle Bürger des Rhein-Main-Gebietes (ca. 3,5 Millionen) betrachtet werden, die Firmen einen Anteil leisten würden (statt einem Jobticket-Zuschuss) und die Hotelgäste pro Übernachtung eine ÖPNV-Taxe zahlen würden, könnte man diesen Monatsbetrag locker unter 20 Euro drücken.
9. Ökologie
Diese Maßnahme würde den Nahverkehr attraktiver machen. Dies würde natürlich die Kosten wieder etwas steigern, da vermutlich die Zugfrequenzen erhöht werden müssten und die Züge länger würden. Aber die Innenstädte würden sauberer werden und mit großzügigen P&R-Plätzen in den Außengebieten könnte man den Umstieg erleichtern.
10. Wirtschaft
Auch würden die Innenstädte der großen Städte als Einkaufs- und Flaniermeilen wieder attraktiver. Zwar auf die gesamte Wirtschaft bezogen eher ein Nullsummenspiel, aber der fortschreitenden Verödung könnte dies schon entgegenwirken.
Die Maßnahmen
Gut Ding will Weile haben. Es ist nicht möglich, sofort einen fahrscheinlosen Nahverkehr einzuführen ohne den ÖPNV insgesamt zu fördern und auszubauen. Als erste Maßnahme sollten Kinder und Jugendliche unentgeltlich im gesamten RMV-Gebiet befördert werden. Danach kann man eine Pauschale für alle Steuerzahler im Gebiet einführen und den ÖPNV fahrscheinlos machen. Langfristig, weil auch sozial ausgewogener als eine Kopfpauschale, sollte jeglicher Nahverkehr in Deutschland komplett steuerfinanziert werden. Es werden so viele Steuergelder für wesentlich weniger nützliche Dinge ausgegeben, hier wären sie gut aufgehoben.


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