1. Die Automaten
Monströse langsame Ungetüme, die von einer großen Anzahl potentieller Kunden nicht mehr zu bedienen sind. Es kommt immer häufiger vor, dass ich von wildfremden Menschen um Hilfe bei der Bedienung gebeten werde, der ich unter Schwierigkeiten auch nachkomme.
Diese Automaten kosten Geld für Wartung und Lizenzen sowie Datenanschlusskosten. Sie müssen geleert werden, für verschiedene Zahlungssysteme abgestimmt werden und sind immer wieder Ziel von Vandalismus. Oft genug funktionieren sie nicht, manchmal sogar alle auf dem ganzen Bahnhof.
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2. EC-Karten-Skimming
Eigentlich ein Unterpunkt der Automaten, aber ein besonderes Ärgernis. Vor der Umstellung funktionierte wenigstens noch die Geldkarte, nun ist zur Bezahlung die Eingabe der PIN erforderlich. Müßig zu erwähnen, dass dies für Ganoven, die sich auf das Abgreifen von Kartendaten spezialisiert haben, ein weiteres Zielobjekt ist. Und am Mainzer Hauptbahnhof haben sie das genau mit diesen Automaten bereits einmal durchgezogen (http://www.rhein-zeitung.de/nachrichten_artikel,-Mainz-Skimming-an-Fahrtkartenautomat-der-Bundesbahn-_arid,319543.html).
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3. Das Tarifsystem
Kacheln, Übergangstarife, Gebiete, Anschlussfahrkarten „mit oder ohne Umweg über“. Selbst wer Zeitkarten besitzt, ist nicht davor gefeit, bei Fahrten außerhalb „seines“ Gebietes Nummern auswendig zu lernen, um sie anschließend in einem der unsäglichen Automaten einzugeben. Kurzstrecken nach Gleiskilometern, die nichts mit der realen Entfernung zu tun haben.
Warum Preise übrigens immer teurer werden, je weiter weg man von Frankfurt wohnt, obwohl es nicht gerade mehr Gleiskilometer außerhalb der Ballungsräume gibt, erschließt sich auch nicht. Die Einwohner Frankfurts zahlen weniger, haben aber die beste Infrastruktur zur Verfügung und müssen erfahrungsgemäß seltener nach „außen“ als die Fahrgäste von außerhalb in die Stadt.
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Dazu die Ausnahmen: Bahnkarte oder nicht. Gruppenfahrkarten. Und sogar für den Fernverkehr, der mit der "City"-Option zwar die Nutzung des ÖPNV im Zielgebiet ermöglicht, muss man doch wieder Fahrkarten für den Weg zwischen Zuhause und Bahnhof kaufen. Wer durch dieses System durchsteigt, hat Bahnfahren vorher 4 Semester studieren müssen.
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4. Erste Klasse
Dazu kommt dann noch eine Errungenschaft des 19. Jahrhunderts, die Erste Klasse. 16 bis 17 Sitzplätze pro Kurzzug, welche selbst bei hoffnungslos überfüllten Zügen von den obrigkeitshörigen Deutschen nicht benutzt werden. Gelegentlich ist die erste Klasse dann aber doch mal von Abhängigen, die sich hier ungestört ihren Schuss setzen, besetzt.
Und ob die Sitze so viel komfortabler sind und das kleine Tischchen einen Mehrwert darstellt, dass sie einen Preisaufschlag rechtfertigen, sei dahingestellt. Die Abteile der ersten Klasse gehören als erstes abgeschafft.
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5. Kontrolleure
Im RMV-Gebiet kosten die Kontrollen jedes Jahr ca. 12-14 Millionen Euro (http://www.fr-online.de/wirtschaft/verkehrsunternehmen-schwarzfahrer-sollen-mehr-zahlen,1472780,11555308.html). Daneben gibt es dann noch zu bezahlende Gewerberäume zur Fahrkostennacherhebung. Diese kann oft genug gar nicht durchgeführt werden, weil es einigen Armen in dieser Gesellschaft völlig egal ist, wie oft sie „erwischt“ werden.
Auch ich bin schon versehentlich – weil ich vergessen hatte, meine Monatskarte nach Ablauf neu zu kaufen – schwarz gefahren (völlig unnötig, da mein Arbeitgeber die Fahrtkosten übernimmt). Wie schön wäre es, jederzeit irgendwo einsteigen zu können, ohne über Fahrkarten nachdenken zu müssen.
Einige Kontrolleure sind auch nicht gerade für Freundlichkeit bekannt und können richtig fies werden, sofern sie es mit einem ihrer Meinung nach asozialen Subjekt der Gesellschaft zu tun bekommen. Mangelende Flexibilität sind an der Tagesordnung, selbst wenn es um Kinder geht (http://www.rp-online.de/region-duesseldorf/ratingen/nachrichten/busfahrer-wirft-kinder-raus-1.1283142).
Diese Jobs sind zudem nicht förderungswürdig, da sie auch noch schlechter als schlecht bezahlt werden. Als Zugbegleitung am Abend könnte ein Teil der Kontrolleure mit besserem Gehalt weiterbeschäftigt werden.
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6. Werbung
Auch solche absurden Werbungen für weitere überflüssige Tarifabwandlungen kosten Geld und führen bereits am Morgen beim ahnungslosen Betrachter zu Brechreiz. Wieso für öffentliche Dienstleistungen geworben werden muss, ist mir sowieso schleierhaft, aber auch dieser Budgetposten könnte problemlos eingespart werden.
7. Familien- und Sozialpolitik
Ein fahrscheinloser ÖPNV wäre für Familien ein Segen. So geht für eine Schülermonatskarte schon mal die Hälfte des Kindergelds drauf. Bedürftige kriegen zwar den Frankfurt-Pass, aber warum überhaupt noch eine bürokratische Hürde mehr, wenn es auch einfacher ginge?
8. Die Finanzierung
Die Einnahmen aus Fahrkarten machen 600 Millionen Euro im Jahr aus (http://www.fnp.de/tzh/region/lokales/usinger-land/rmv-wir-sind-nicht-so-teuer_rmn01.c.9509878.de.html). Nur durch die Bevölkerung Frankfurts geteilt (ca. 660.000) würde dies eine Abgabe von 75 Euro im Monat bedeuten, das ist bereits weniger als eine Monatskarte für das Tarifgebiet kostet. Noch günstiger wird die Rechnung nach Herausrechnen der Automaten, Lizenzen, der Kontrolleure, der Werbung sowie sonstiger Kosten (z.B. Druck der Tarifinformationen).
Sobald alle Bürger des Rhein-Main-Gebietes (ca. 3,5 Millionen) betrachtet werden, die Firmen einen Anteil leisten würden (statt einem Jobticket-Zuschuss) und die Hotelgäste pro Übernachtung eine ÖPNV-Taxe zahlen würden, könnte man diesen Monatsbetrag locker unter 20 Euro drücken.
9. Ökologie
Diese Maßnahme würde den Nahverkehr attraktiver machen. Dies würde natürlich die Kosten wieder etwas steigern, da vermutlich die Zugfrequenzen erhöht werden müssten und die Züge länger würden. Aber die Innenstädte würden sauberer werden und mit großzügigen P&R-Plätzen in den Außengebieten könnte man den Umstieg erleichtern.
10. Wirtschaft
Auch würden die Innenstädte der großen Städte als Einkaufs- und Flaniermeilen wieder attraktiver. Zwar auf die gesamte Wirtschaft bezogen eher ein Nullsummenspiel, aber der fortschreitenden Verödung könnte dies schon entgegenwirken.
Die Maßnahmen
Gut Ding will Weile haben. Es ist nicht möglich, sofort einen fahrscheinlosen Nahverkehr einzuführen ohne den ÖPNV insgesamt zu fördern und auszubauen. Als erste Maßnahme sollten Kinder und Jugendliche unentgeltlich im gesamten RMV-Gebiet befördert werden. Danach kann man eine Pauschale für alle Steuerzahler im Gebiet einführen und den ÖPNV fahrscheinlos machen. Langfristig, weil auch sozial ausgewogener als eine Kopfpauschale, sollte jeglicher Nahverkehr in Deutschland komplett steuerfinanziert werden. Es werden so viele Steuergelder für wesentlich weniger nützliche Dinge ausgegeben, hier wären sie gut aufgehoben.


Übrigens wird sie seit Jahrzehnten in einigen Ländern Osteuropas praktizeirt. Dort leider nur für Senioren, da diese Länder natürlich kein Finanzpolster haben. Was mal wieder zeigt, dass wir in sozialer Hinsicht so ziemlich Schlusslicht sind.
Kompliziert empfinde ich vor allem die Automaten der deutschen Bahn. Bei den lokalen Nahverkehrsautomaten ist die Bedienung in der Regel recht einfach. Sofern man weiß in welche Preiskategorie man mit seiner Fahrt gehört.
Die Automaten der Bahn würden aber bestehen bleiben, da ich es nicht für sinnvoll erachte auch den fahrscheinlosen Fernverkehr anzustreben. Damit bleibt auch das Problem des Karten-Skimmings bestehen (im Nahverkehr wird eh selten die ec/Kreditkarte genutzt).
Im Fernverkehr würden auch weiterhin Kontrollen durchgeführt. Nicht zu vergessen der Aufwand für den Gebühreneinzug. Ob es hier wirklich Einsparpotenziale gibt hat AFAIK noch niemand ernsthaft ausgerechnet.
Ob die Wirtschaft wirklich angekurbelt würde hat mir auch noch niemand dargelegt und mit Zahlen untermauert. Immerhin schaffen ja auch die Automaten und Kontrollen Arbeitsplätze. Will man dies auffangen relativieren sich die Einsparpotenziale schnell. Ich kenne auch kaum jemanden, der wegen dem Fahrkartenpreis nicht mit der Bahn in die Stadt fährt, wenn neue Klamotten oder ein Kinobesuch anstehen.
Worauf auch selten geschaut wird, in Großstädten macht ein solches Angebot sicher Sinn. Wie sieht es aber auf dem Land oder in Kleinstädten aus? Wenn auch Besucher einer Großstadt fahrscheinlos fahren dürfen müssen die ja auch zur Pauschalgebühr beitragen, bekommen aber im Zweifel zuhause eine erheblich geringere Gegenleistung, als Leute die in der Großstadt leben. Wie verhält es sich bei Leuten mit einem Zweitwohnsitz?
Die Idee ist gut, die Ausarbeitung steht aber in vielen Teilen noch aus (was OK ist) aber die bisherigen Argumente sind nicht sonderlich stichhaltig und werden leider bisher nur Gebetsmühlenartig wiederholt. Letzteres ist wirklich Schade und zeugt auch nicht von einem besonderen Willen seitens der Piratenpartei das Thema wirklich voranzubringen. Das aber erwarte ich von einer Partei, die von mir gewählt werden will. Einfach nur den Zwischenrufer zu geben der hier und da eine (gute) Idee dropt ist da zu wenig.
Jeder Automat, der eingespart werden könnte, würde auf jeden Fall Geld sparen (auch wenn dies natürlich wirtschaftlich Auswirkungen hat). Die Frage ist doch immer, bei wem das Geld wegfällt? Bei den Lizenzen für Microsoft (immerhin laufen die Automaten ja damit) hätte ich da aber wenig Probleme.
Weil ja immer noch Aufwand bestehen bleibt, habe ich als langfristiges Ziel ja die Komplettabdeckung durch Steuern aufgeführt. Es werden Steuern für viele Dinge ausgegeben, die nicht sein müssten. Ich halte aber den ÖPNV für eine Kernaufgabe eines modernen Staates.
Wer weiter weg wohnt, zahlt nach bisherigem System ja noch mehr. Mit der Pauschale würde wenigstens dies ausgeglichen und zudem darf man auch nicht vergessen, dass es auf dem Land meistens günstiger als in der Stadt ist.
Am besten würde das System natürlich funktionieren, wenn es deutschlandweit gelten würde. Damit wären auf einen Schlag Fragen wie Zweitwohnsitz oder Großstadtbonus hinfällig, denn meiner Erfahrung nach zieht es auch die "Landeier" immer wieder in die naheliegende nächste Großstadt.