Merkel: Wollen wir über die Menschenrechte reden?
Wen Jiabao: Nein.
Merkel: Okay.
Samstag, 17. Juli 2010
Am Rande
Gestern in den Nachrichten die Meldung, daß Merkel am Rande ihres Treffens mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao auch über die Menschenrechte gesprochen habe. Wie das Gespräch genau aussah, hier zu lesen:
Geschrieben von Ernst-J. Preussler
in Gesellschaft, Politik
um
16:51
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Mittwoch, 19. Mai 2010
Piratenparteitagsbingo
Die 36 Begriffe beliebig neu im Raster verteilen, das Raster ausdrucken und auf den nächsten Parteitag mitbringen. Wenn ein Begriff fällt, ankreuzen. Wer zuerst eine Spalte, Reihe oder Diagonale angekreuzt hat, steht auf und ruft "Piratenbingo".
Eine ernsthafte Analyse des BPT 2010, wenn ich mich davon erholt habe.
Eine ernsthafte Analyse des BPT 2010, wenn ich mich davon erholt habe.
| Stimmzettel | Schttt | Petition | Piratin | Gruppenfoto | GO-Antrag |
| unpiratig | WLAN | handlungsunfähig | transparent | Liquid | Rednerliste |
| Vorstandsarbeit | Grüne-Klon | Altparteien | Wiki | Fail | Junge Piraten |
| Mitbestimmung | Gender | Spende | Aufgabenbereich | Basisdemokratie | Grußworte |
| Redezeit | Stefan König | Delegierte | Die Basis | Kontostand | Tätigkeitsbericht |
| Piratenpad | Korruption | Schiedsgericht | Versammlungsleiter | Piratenparty | Minderheitenschutz |
Montag, 10. Mai 2010
Wahl, Debakel, Vorschlag
Um es auf den Punkt zu bringen: Das Ergebnis der Piraten in NRW ist letztendlich ein Debakel, wenn man - wie einige es vorschnell getan haben - wieder mal 5+X als Ziel ausgibt. Nun, das X liegt bei -3,5. Mathematisch stimmt es sowieso immer.
Die Besonderheiten in NRW sollte man berücksichtigen (konservatives Land, tief katholisch, Denkzettelwahl), aber der große Schwung ist raus, das Momentum der Piratenpartei ist verloren. Und das ist größtenteils hausgemacht. Ich habe das schon vor Wochen geahnt, aber Mahnungen wegen Bingen und der mangelnden inhaltlichen Arbeit sind weitestgehend ungehört verhallt oder bewußt ignoriert worden. Der Landesverband NRW hat mit einer m.E. völlig falschen Erweiterung des Programms (schnell, wenig durchdacht und Kopie anderer Parteien) dem Ganzen das Krönchen aufgesetzt, in einer Woche kommt dann vermutlich die Bingener Krone.
Wenn Vorstände auf Mailinglisten bashen und auf Bundesebene nahezu handlungsunfähig sind, kann sich wenig entwickeln. Dann machen wir lieber weiter wie bisher, ist ja ein Selbstläufer. Ist es nicht! Anstatt bei den jungen und internetaffinen Wählern durch inhaltliche Ausarbeitung der bestehenden Kernkompetenzen zu punkten und sich für die nächsten 10 Jahre Stammwähler zu sichern, wird versucht, Rentner und Hausfrauen für die Partei zu gewinnen. Anstatt ausgehend von den Prinzipien piratiger Politik Antworten auf die meisten Politikfelder zu finden und sie dann mit Alleinstellungsmerkmalen zu versehen, werden Positionen etablierter Parteien unverändert übernommen und nachgeplappert.
Vor Wochen gab es den Vorschlag eines Piraten meines Landesverbandes, eine Programm-Taskforce unter meiner Leitung zu gründen. Ich hatte dies weder initiiert noch nach dem Auftauchen des Vorschlags weiterverfolgt (die Idee wurde sowieso sofort abgebügelt), aber bin doch die ganze Zeit irgendwie damit schwanger gegangen. Ich könnte mir vorstellen, mit anderen Piraten das Programm der Piratenpartei in einer Programmkommission zu erarbeiten. Wenn nicht für den Bund, dann vielleicht als Anfang wenigstens für Hessen. Ich glaube erstens, daß dies nur jemand machen kann und sollte, der aktuell kein Amt bekleidet. Und ich glaube zweitens, daß ich dafür geeignet wäre.
Die Aufteilung in AGs ist teilweise ein Witz. In den AGs sitzen zum Teil nicht die Kompetenten, sondern die Ideologen. Nahezu alle Programmanträge für Bingen sind völlig unstrukturiert und an Belanglosigkeit nicht zu überbieten. Von einem Gesamtkonzept ganz zu schweigen. In dieser Kritik nehme ich mich übrigens selbst nicht aus, da auch ich Programmanträge gestellt habe. Aber vor der Antragsfrist galt halt, wenn du nicht selbst schnell einen Antrag raushaust, macht es jemand anders noch schlechter oder der Punkt wird gar nicht behandelt.
Deswegen schlage ich vor: Laßt uns ganz demokratisch Leute in eine Programmkommission wählen, die es machen sollen (und wollen und am besten auch können). Auf Bundesebene z.B. zwei pro Landesverband, auf Landesebene ein Dutzend direkt auf dem nächsten Landesparteitag. Jeder kann kandidieren und die Basis entscheidet, wen sie für befähigt hält. Diese Kommission erstellt gemeinsam den Vorschlag eines Parteiprogramms, wobei sie die Ergebnisse der AGs und sonstiger Anträge einfließen läßt. Transparenz und regelmäßige Veröffentlichungen des Zwischenergebnisses gehören genauso dazu wie das Einarbeiten von Kritik, Anregungen und neuer Erkenntnisse. Und ganz wichtig: Am Ende kann das ganze Konzept von der Basis abgelehnt werden, wieso denn auch nicht?
Die Vorteile, die die Kommission hätte: Sie ist nicht an die Antragsfrist gebunden und ihre Anträge werden auf dem Parteitag diskutiert. Warum ist das notwendig? Erstens ist es kaum möglich, Anträge, die kurz vor Antragsfrist eingehen, noch einarbeiten zu können und zweitens muß es einerseits für das höchste Parteiorgan möglich sein, Formulierungen, die eine positive Abstimmung verhindern, noch anpassen zu können und für die Kommission andererseits, die Ergebnisse nach Bedarf modular oder als Gesamtheit zur Abstimmung zu stellen.
Noch wäre vielleicht Zeit, bis Bingen einen derartigen Antrag vorzubereiten und dort eine entsprechende Wahl durchzuführen. Aber es wird wohl nicht klappen. Ich schreibe das in der Hoffnung, daß für meinen Landesverband Hessen bis zum Herbst die Chance besteht, darüber zu diskutieren und es möglicherweise umzusetzen.
Es ist nur eine Idee. Für mich bricht keine Welt zusammen, wenn es niemand will. Aber wenn das Schiff wieder flott gemacht werden soll, dann sollten wir auf keinen Fall so weitermachen wie in den letzten Wochen.
Die Besonderheiten in NRW sollte man berücksichtigen (konservatives Land, tief katholisch, Denkzettelwahl), aber der große Schwung ist raus, das Momentum der Piratenpartei ist verloren. Und das ist größtenteils hausgemacht. Ich habe das schon vor Wochen geahnt, aber Mahnungen wegen Bingen und der mangelnden inhaltlichen Arbeit sind weitestgehend ungehört verhallt oder bewußt ignoriert worden. Der Landesverband NRW hat mit einer m.E. völlig falschen Erweiterung des Programms (schnell, wenig durchdacht und Kopie anderer Parteien) dem Ganzen das Krönchen aufgesetzt, in einer Woche kommt dann vermutlich die Bingener Krone.
Wenn Vorstände auf Mailinglisten bashen und auf Bundesebene nahezu handlungsunfähig sind, kann sich wenig entwickeln. Dann machen wir lieber weiter wie bisher, ist ja ein Selbstläufer. Ist es nicht! Anstatt bei den jungen und internetaffinen Wählern durch inhaltliche Ausarbeitung der bestehenden Kernkompetenzen zu punkten und sich für die nächsten 10 Jahre Stammwähler zu sichern, wird versucht, Rentner und Hausfrauen für die Partei zu gewinnen. Anstatt ausgehend von den Prinzipien piratiger Politik Antworten auf die meisten Politikfelder zu finden und sie dann mit Alleinstellungsmerkmalen zu versehen, werden Positionen etablierter Parteien unverändert übernommen und nachgeplappert.
Vor Wochen gab es den Vorschlag eines Piraten meines Landesverbandes, eine Programm-Taskforce unter meiner Leitung zu gründen. Ich hatte dies weder initiiert noch nach dem Auftauchen des Vorschlags weiterverfolgt (die Idee wurde sowieso sofort abgebügelt), aber bin doch die ganze Zeit irgendwie damit schwanger gegangen. Ich könnte mir vorstellen, mit anderen Piraten das Programm der Piratenpartei in einer Programmkommission zu erarbeiten. Wenn nicht für den Bund, dann vielleicht als Anfang wenigstens für Hessen. Ich glaube erstens, daß dies nur jemand machen kann und sollte, der aktuell kein Amt bekleidet. Und ich glaube zweitens, daß ich dafür geeignet wäre.
Die Aufteilung in AGs ist teilweise ein Witz. In den AGs sitzen zum Teil nicht die Kompetenten, sondern die Ideologen. Nahezu alle Programmanträge für Bingen sind völlig unstrukturiert und an Belanglosigkeit nicht zu überbieten. Von einem Gesamtkonzept ganz zu schweigen. In dieser Kritik nehme ich mich übrigens selbst nicht aus, da auch ich Programmanträge gestellt habe. Aber vor der Antragsfrist galt halt, wenn du nicht selbst schnell einen Antrag raushaust, macht es jemand anders noch schlechter oder der Punkt wird gar nicht behandelt.
Deswegen schlage ich vor: Laßt uns ganz demokratisch Leute in eine Programmkommission wählen, die es machen sollen (und wollen und am besten auch können). Auf Bundesebene z.B. zwei pro Landesverband, auf Landesebene ein Dutzend direkt auf dem nächsten Landesparteitag. Jeder kann kandidieren und die Basis entscheidet, wen sie für befähigt hält. Diese Kommission erstellt gemeinsam den Vorschlag eines Parteiprogramms, wobei sie die Ergebnisse der AGs und sonstiger Anträge einfließen läßt. Transparenz und regelmäßige Veröffentlichungen des Zwischenergebnisses gehören genauso dazu wie das Einarbeiten von Kritik, Anregungen und neuer Erkenntnisse. Und ganz wichtig: Am Ende kann das ganze Konzept von der Basis abgelehnt werden, wieso denn auch nicht?
Die Vorteile, die die Kommission hätte: Sie ist nicht an die Antragsfrist gebunden und ihre Anträge werden auf dem Parteitag diskutiert. Warum ist das notwendig? Erstens ist es kaum möglich, Anträge, die kurz vor Antragsfrist eingehen, noch einarbeiten zu können und zweitens muß es einerseits für das höchste Parteiorgan möglich sein, Formulierungen, die eine positive Abstimmung verhindern, noch anpassen zu können und für die Kommission andererseits, die Ergebnisse nach Bedarf modular oder als Gesamtheit zur Abstimmung zu stellen.
Noch wäre vielleicht Zeit, bis Bingen einen derartigen Antrag vorzubereiten und dort eine entsprechende Wahl durchzuführen. Aber es wird wohl nicht klappen. Ich schreibe das in der Hoffnung, daß für meinen Landesverband Hessen bis zum Herbst die Chance besteht, darüber zu diskutieren und es möglicherweise umzusetzen.
Es ist nur eine Idee. Für mich bricht keine Welt zusammen, wenn es niemand will. Aber wenn das Schiff wieder flott gemacht werden soll, dann sollten wir auf keinen Fall so weitermachen wie in den letzten Wochen.
Freitag, 9. April 2010
Pirat, Single, Suche Seitensprung
Gestern unter wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2010.1/Kandidaten-Übersicht mal über die kommenden Kandidaten informiert. Freundin kommt rein und meint: "Was ist das denn? Piratenkontaktseiten? Pirat, Single, Suche Seitensprung?". Vielleicht sollten wir an unserer Präsentation noch ein wenig arbeiten
Montag, 5. April 2010
Irrelevanz der Woche 2010/13
Der etwas andere Wochenrückblick
Neue Regel: Der Montag - falls Feiertag - gehört ebenfalls noch zur alten Woche, weswegen es die Rubrik erst heute gibt (hüstel)
Falls jemand weitere irrelevante Nachrichten findet, bitte an mich posten, ich werde sie dann hier veröffentlichen...
Diese Woche gab es folgende Nachrichten mit Irrelevanz:
Spiegel: Aigner gegen Facebook
Die aignert sich nicht!
Sehr sinnvoll alsBauernAgrarVerbraucherministerin, immer einzeln gegen Mißstände vorzugehen (und zwar dadurch, daß man sein Nokia-Handy wegwirft. Pardon! Seinen Facebook-Account löscht!). Wie wäre es mal mit einem zeitgemäßen verbraucherfreundlichen Verbraucherschutzgesetz? Vielleicht mal die Piraten fragen, die kennen sich damit nämlich total gut aus
Heise: Anzahl der Registrare pro 1000 Einwohner
Domains oder Juristen?
Wer braucht das? Städte-Schwanzvergleich? Wenn überhaupt, dürfte es zwei korrelierende Merkmale geben: Die Anzahl der Einwohner (ach!) und die Anzahl der Juristen (urg!).
Spiegel: iPad ist toll
Sogar noch toller als in der letztenWerbungMeldung
Nur kurz: Gebt mir das Ding kostenlos zum Testen (und Behalten) und ich finde es auch toll!
Sammlung von irrelevanten Nachrichten
Das braucht die Welt!
Irgend so ein Nerd sammelt Woche für Woche irrelevante Nachrichten aus dem Web und kommentiert sie. Peinlich und natürlich total irrelevant.
Spiegel: Auktionen für Treffen mit Prominenten
So viel Zeit und so wenig zu tun!
Das Prominentenunwesen, das ist übrigens anstrengungslose Dekadenz. Ach, es soll ja für einen guten Zweck sein. Na dann. War bei den Politikerkäufen bestimmt auch so.
Neue Regel: Der Montag - falls Feiertag - gehört ebenfalls noch zur alten Woche, weswegen es die Rubrik erst heute gibt (hüstel)
Falls jemand weitere irrelevante Nachrichten findet, bitte an mich posten, ich werde sie dann hier veröffentlichen...
Diese Woche gab es folgende Nachrichten mit Irrelevanz:
Spiegel: Aigner gegen Facebook
Die aignert sich nicht!
Sehr sinnvoll als
Heise: Anzahl der Registrare pro 1000 Einwohner
Domains oder Juristen?
Wer braucht das? Städte-Schwanzvergleich? Wenn überhaupt, dürfte es zwei korrelierende Merkmale geben: Die Anzahl der Einwohner (ach!) und die Anzahl der Juristen (urg!).
Spiegel: iPad ist toll
Sogar noch toller als in der letzten
Nur kurz: Gebt mir das Ding kostenlos zum Testen (und Behalten) und ich finde es auch toll!
Sammlung von irrelevanten Nachrichten
Das braucht die Welt!
Irgend so ein Nerd sammelt Woche für Woche irrelevante Nachrichten aus dem Web und kommentiert sie. Peinlich und natürlich total irrelevant.
Spiegel: Auktionen für Treffen mit Prominenten
So viel Zeit und so wenig zu tun!
Das Prominentenunwesen, das ist übrigens anstrengungslose Dekadenz. Ach, es soll ja für einen guten Zweck sein. Na dann. War bei den Politikerkäufen bestimmt auch so.
Geschrieben von Ernst-J. Preussler
in Gesellschaft, Informatik, Irrelevanz, Piraten, Politik
um
20:00
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Der Redundanz-Pirat
Seit Jahren predige ich die Benutzung geeigneter Redundanzen ("Ich komme Australien", "Bingolstadt" usw. siehe Redundanz, aber richtig) und endlich übernimmt ein wichtiger Pirat, nämlich unser neuer rdesignierter Vorsitzender (Bewerbung) dieses Prinzip mustergültig. Unter piratenparteigentum.de regt er sich zu Recht/irgendwas/sehr auf (nicht zutreffendes bitte streichen). Fragt sich jetzt nur: Da ich ja quasi der Markeninhaber dieses Redundanzprinzips bin, kann ich die Domain jetzt per Denic-Dispute-Verfahren an mich ziehen?
Sonntag, 4. April 2010
Das schwarze Antragsloch von Bingen
Wie im berüchtigten Binger Loch die Schiffe drohen wir Piraten in einem schwarzen Parteitagsloch verschlungen zu werden. Das folgende ist eine pessimistische Einschätzung unter der Voraussetzung, daß die sonstige Organisation einigermaßen funktioniert. Wenn es dabei auch noch zu Problemen kommt - was bei einer unbekannten Anzahl an Teilnehmern und Gästen nicht unwahrscheinlich ist - wird Bingen vermutlich in einem totalen Chaos enden.
Die großen Probleme sind aber die zu erwartenden Diskussionen und die schiere Flut an Anträgen, von denen jetzt schon klar sein dürfte, daß der Parteitag rein zeitlich nicht ausreichen wird. Dazu kommt dann noch die mögliche Schlammschlacht um die Vorstandswahlen, die vermutlich viel länger als vorgesehen dauern werden. Dies wird die Zeit für Anträge und inhaltliche Diskussionen weiter verkürzen und vermutlich darin enden, daß sich nichts bewegt. Wie überhaupt Anträge durchkommen sollen (außer den reinen Berichtigungsanträgen für die Satzung), erschließt sich mir derzeit gar nicht.
Wie es ablaufen wird, zeigt jetzt schon die Anthraxfabrik des Terrors. Die Umsetzung des Ganzen ist eine Meisterleistung der Wiki-Programmierung und erleichtert zwar nicht das Eingeben, aber zumindest die Übersicht deutlich. Doch die Farbrik zeigt die Grenzen eines Wikis sowie die Grenzen der Mitmachkultur deutlich auf. Zuerst einmal - obwohl nicht verbindlich - stellt sich die Fabrik als genau das dar. Weiterhin ist die Antragsstellung für technisch unbedarfte Mitglieder eine riesige Hürde, womit sich schon mal der Mitmachcharakter anzweifeln läßt. Daß dann im Maximalfall einige Hundert (weniger als 2% der Gesamtmitgliederzahl) durch ihre Abstimmung einem Antrag den Weg ebnen oder total verbauen können sowie - falls ich das nicht falsch verstanden habe - auch Auswirkungen auf die Reihenfolge der Präsentation auf dem Bundesparteitag haben, wirft ein schiefes Licht auf die gelebte Basisdemokratie. Dazu kommt erschwerend hinzu, daß auch Nichtmitglieder (ist ja ein Wiki) Anträge einbringen und abstimmen können.
Ganz schlimm ist es dann bei Programmanträgen. Die werden (teilweise von den selben Teilnehmern) entweder als zu komplex oder als nicht ausgearbeitet bezeichnet. Zudem wird dann noch die Legitimation hinterfragt und "ob da denn eine Mehrheit dahinter stünde?". Genau deswegen - die Frage nach der Mehrheit - werden doch Anträge eingebracht und auf dem höchsten Gremium der Piratenpartei abgestimmt. Zumindest war dies bisher mein Eindruck eines Parteitages...
Die Anträge sind veränderlich und sie werden auch verändert. Leider schaut kaum einer der Abstimmenden noch mal beim gleichen Antrag vorbei und ändert sein Votum. Das soll noch nicht mal ein Vorwurf sein, denn die Anzahl der Anträge wächst ja stündlich und den Überblick über konkurrierende Anträge kann keiner mehr behalten. Das einzelne Mitglied ist mit Satzungsänderungsanträgen auch einfach überfordert. Jede kleinste Änderung kann Auswirkungen auf andere Anträge haben, nicht mal das Ändern von Rechtschreibfehlern oder falscher Grammatik ist problemlos möglich. Und dann sehen es viele auch noch als absolut wichtig an, daß auf keinen Fall eine Anpassung auf dem Bundesparteitag erfolgen kann. Es kann also passieren, daß notwendige Anträge wegen Rechtschreibfehlern oder weil eine einzige Zahl nicht paßt, abgelehnt werden. Die Auswirkungen reichen unter Umständen bis zu einer weiterhin rechtswidrigen Bundessatzung, aber egal: Wir haben ja ein Jahr Zeit. Deswegen werden Dutzende Anträge nahezu gleichlautend gestellt, denn es könnte ja sein, daß die Mehrheit 30% statt 40% Bundesanteil bei den Beiträgen will. Absurd.
Es führt meines Erachtens kein Weg daran vorbei: Wenigstens bei der Satzung brauchen wir eine Satzungskommission. Diese sollte sich endlich bilden, legitimiert werden und eine ordentliche und rechtssichere Satzung aufsetzen. Derzeit ist daß eine Herumdokterei an einer Totgeburt. Und warum eigentlich müssen Satzungsanträge wortwörtlich von Mitgliedern eingebracht werden, die möglicherweise eine gute Idee haben aber keine Ahnung von Gesetzen und Regelwerken? Ist das demokratisch? Mitmachkultur? Ich glaube nicht. Warum lassen wir nicht Anträge in der Form zu, daß für den nächsten Bundesparteitag gefordert wird, z.B. dezentrale Parteitage zuzulassen? Der diesjährige Parteitag würde dann entscheiden, ob dies aufgenommen werden soll und an die Satzungskommission als Auftrag für den nächsten Parteitag weiterreichen. Diese "Experten" wären dann in der Pflicht, alle geforderten Änderungen umzusetzen, aufeinander abzustimmen und auf Fehler und Rechtsprobleme zu prüfen. Selbstverständlich würde auf dem folgenden Parteitag immer noch eine Abstimmung der Basis erfolgen, es geht mir hier nicht - was jetzt vermutlich einige unterstellen - um Elitenherrschaft oder stupides Abnicken.
Zudem sollten wir uns fragen, ob uns eine ordentliche Satzung nicht einen außerordentlichen Parteitag wert wäre, während der ordentlich Parteitag nur die Vorstandswahlen und Programmanträge behandelt. Unsere Satzung ist unfertig, sie ist im Fluß, jetzt wären Änderungen wichtig und angebracht und nicht erst in fünf Jahren, wenn alle Anträge der letzten Jahre und diesen Jahres abgehandelt sein dürften.
Als Leiter der hessischen AG Satzung komme ich mir vor, als würde ich gegen Windmühlen kämpfen. Ich behaupte, daß mich die Mitarbeit in einer Satzungskommission nicht mehr Arbeit (und vor allem Nerven) kosten würde als diese monströse Ablieferungs- und Anpassungspflicht bis vier Wochen vor dem Parteitag. Das Argument, es sei genug Zeit da, um Fehler zu finden und Anpassungen vorzunehmen, kann ich leider nicht gelten lassen. Wenn die Frist abgelaufen ist, werden die meisten überhaupt erst dazu kommen, andere Anträge als die eigenen zu prüfen. Die Fehler werden also erst dann auffallen und sich nicht mehr korrigieren lassen. Pech für den Antrag, aber wir sind Piraten, wir können ja noch ein Jahr warten...
Blöd nur, daß der ganze Mist dann wieder von vorne los geht.
Die großen Probleme sind aber die zu erwartenden Diskussionen und die schiere Flut an Anträgen, von denen jetzt schon klar sein dürfte, daß der Parteitag rein zeitlich nicht ausreichen wird. Dazu kommt dann noch die mögliche Schlammschlacht um die Vorstandswahlen, die vermutlich viel länger als vorgesehen dauern werden. Dies wird die Zeit für Anträge und inhaltliche Diskussionen weiter verkürzen und vermutlich darin enden, daß sich nichts bewegt. Wie überhaupt Anträge durchkommen sollen (außer den reinen Berichtigungsanträgen für die Satzung), erschließt sich mir derzeit gar nicht.
Wie es ablaufen wird, zeigt jetzt schon die Anthraxfabrik des Terrors. Die Umsetzung des Ganzen ist eine Meisterleistung der Wiki-Programmierung und erleichtert zwar nicht das Eingeben, aber zumindest die Übersicht deutlich. Doch die Farbrik zeigt die Grenzen eines Wikis sowie die Grenzen der Mitmachkultur deutlich auf. Zuerst einmal - obwohl nicht verbindlich - stellt sich die Fabrik als genau das dar. Weiterhin ist die Antragsstellung für technisch unbedarfte Mitglieder eine riesige Hürde, womit sich schon mal der Mitmachcharakter anzweifeln läßt. Daß dann im Maximalfall einige Hundert (weniger als 2% der Gesamtmitgliederzahl) durch ihre Abstimmung einem Antrag den Weg ebnen oder total verbauen können sowie - falls ich das nicht falsch verstanden habe - auch Auswirkungen auf die Reihenfolge der Präsentation auf dem Bundesparteitag haben, wirft ein schiefes Licht auf die gelebte Basisdemokratie. Dazu kommt erschwerend hinzu, daß auch Nichtmitglieder (ist ja ein Wiki) Anträge einbringen und abstimmen können.
Ganz schlimm ist es dann bei Programmanträgen. Die werden (teilweise von den selben Teilnehmern) entweder als zu komplex oder als nicht ausgearbeitet bezeichnet. Zudem wird dann noch die Legitimation hinterfragt und "ob da denn eine Mehrheit dahinter stünde?". Genau deswegen - die Frage nach der Mehrheit - werden doch Anträge eingebracht und auf dem höchsten Gremium der Piratenpartei abgestimmt. Zumindest war dies bisher mein Eindruck eines Parteitages...
Die Anträge sind veränderlich und sie werden auch verändert. Leider schaut kaum einer der Abstimmenden noch mal beim gleichen Antrag vorbei und ändert sein Votum. Das soll noch nicht mal ein Vorwurf sein, denn die Anzahl der Anträge wächst ja stündlich und den Überblick über konkurrierende Anträge kann keiner mehr behalten. Das einzelne Mitglied ist mit Satzungsänderungsanträgen auch einfach überfordert. Jede kleinste Änderung kann Auswirkungen auf andere Anträge haben, nicht mal das Ändern von Rechtschreibfehlern oder falscher Grammatik ist problemlos möglich. Und dann sehen es viele auch noch als absolut wichtig an, daß auf keinen Fall eine Anpassung auf dem Bundesparteitag erfolgen kann. Es kann also passieren, daß notwendige Anträge wegen Rechtschreibfehlern oder weil eine einzige Zahl nicht paßt, abgelehnt werden. Die Auswirkungen reichen unter Umständen bis zu einer weiterhin rechtswidrigen Bundessatzung, aber egal: Wir haben ja ein Jahr Zeit. Deswegen werden Dutzende Anträge nahezu gleichlautend gestellt, denn es könnte ja sein, daß die Mehrheit 30% statt 40% Bundesanteil bei den Beiträgen will. Absurd.
Es führt meines Erachtens kein Weg daran vorbei: Wenigstens bei der Satzung brauchen wir eine Satzungskommission. Diese sollte sich endlich bilden, legitimiert werden und eine ordentliche und rechtssichere Satzung aufsetzen. Derzeit ist daß eine Herumdokterei an einer Totgeburt. Und warum eigentlich müssen Satzungsanträge wortwörtlich von Mitgliedern eingebracht werden, die möglicherweise eine gute Idee haben aber keine Ahnung von Gesetzen und Regelwerken? Ist das demokratisch? Mitmachkultur? Ich glaube nicht. Warum lassen wir nicht Anträge in der Form zu, daß für den nächsten Bundesparteitag gefordert wird, z.B. dezentrale Parteitage zuzulassen? Der diesjährige Parteitag würde dann entscheiden, ob dies aufgenommen werden soll und an die Satzungskommission als Auftrag für den nächsten Parteitag weiterreichen. Diese "Experten" wären dann in der Pflicht, alle geforderten Änderungen umzusetzen, aufeinander abzustimmen und auf Fehler und Rechtsprobleme zu prüfen. Selbstverständlich würde auf dem folgenden Parteitag immer noch eine Abstimmung der Basis erfolgen, es geht mir hier nicht - was jetzt vermutlich einige unterstellen - um Elitenherrschaft oder stupides Abnicken.
Zudem sollten wir uns fragen, ob uns eine ordentliche Satzung nicht einen außerordentlichen Parteitag wert wäre, während der ordentlich Parteitag nur die Vorstandswahlen und Programmanträge behandelt. Unsere Satzung ist unfertig, sie ist im Fluß, jetzt wären Änderungen wichtig und angebracht und nicht erst in fünf Jahren, wenn alle Anträge der letzten Jahre und diesen Jahres abgehandelt sein dürften.
Als Leiter der hessischen AG Satzung komme ich mir vor, als würde ich gegen Windmühlen kämpfen. Ich behaupte, daß mich die Mitarbeit in einer Satzungskommission nicht mehr Arbeit (und vor allem Nerven) kosten würde als diese monströse Ablieferungs- und Anpassungspflicht bis vier Wochen vor dem Parteitag. Das Argument, es sei genug Zeit da, um Fehler zu finden und Anpassungen vorzunehmen, kann ich leider nicht gelten lassen. Wenn die Frist abgelaufen ist, werden die meisten überhaupt erst dazu kommen, andere Anträge als die eigenen zu prüfen. Die Fehler werden also erst dann auffallen und sich nicht mehr korrigieren lassen. Pech für den Antrag, aber wir sind Piraten, wir können ja noch ein Jahr warten...
Blöd nur, daß der ganze Mist dann wieder von vorne los geht.
Montag, 29. März 2010
Irrelevanz der Woche 2010/12
Der etwas andere Wochenrückblick
Diesmal mit Kurzzusammenfassung vor dem Link, damit niemand gezwungen ist, irrelevante Meldungen auf verhassten "News"-Seiten anzusurfen. Dieser Service wird Ihnen präsentiert von... mir! Diese Woche war es irgendwie ruhig, vermutlich weil alle verfügbare Irrelevanz von einem Thema aufgesogen wurde, weiter unter mehr...
Falls jemand weitere irrelevante Nachrichten findet, bitte an mich posten, ich werde sie dann hier veröffentlichen...
Diese Woche gab es folgende Nachrichten mit Irrelevanz:
Statistik: Trotz Krise - Mehr Deutsche machen sich selbständig
Trotz? Wegen!
In Zeiten, in denen Scheinselbständigkeit gefördert und teure Programme für Arbeitslose aufgelegt werden, die zu nicht lange lebensfähigen "Firmen" führen, gibt es wegen der Krise mehr Selbständige. Aber zum Schönreden waren Statistiken ja schon immer da...
Krise des Verlagswesen: Times und Sunday Times werden kostenpflichtig
Ja, das wird sicher helfen!
Die nächstem Eskalationsstufen: Spiegel Online schimpft bereits über die bösen Raubleser, dann fordern die Verleger eine monatliche Nutzungsabgabe für jeden Menschen, der ein potentielles Empfangsgerät (Auge) bereithält und nach ein paar Geldkoffern bzw. aufgedeckten Politikerskandalen ist auf einmal ein politischer Wille da.
Politik: Obama fordert von Karzai Kampf gegen Korruption
Greif mal nem nackten Mann in die Tasche
Karzai fordert von Obama Kampf gegen Terror. EU fordert von Griechenland mehr Gelddisziplin. Öffentlichkeit fordert von der Kirche volle Aufklärung... Aber vielleicht ist der Obama doch ein versteckter Pirat. Als versteckter Weltretter und versteckter Kommunist ist er ja inzwischen gescheitert, aber da könnte noch was gehen.
Thema der Woche: Kachelmann - wie ist er wirklich?
Der Mensch hinter dem Monster. Oder war es umgekehrt?
Bitte nicht falsch verstehen. Eine Vergewaltigung oder Gewalt in einer Beziehung sind keineswegs irrelevant. Aber wie bestimmte Medien mit Meldungen wie "Wer ist Kachelmann?", "Das geheime Liebesleben des Wettermanns", "Softie oder Macho?" und "Person X spricht: Ich weiß auch nichts" mit dem Thema umgehen, das ist an Ekelhaftigkeit kaum noch zu überbieten. Aber sie bedienen damit offenbar nur das "Dem sieht man's schon an"- und "Ich hab's schon immer gewußt"-Publikum.
Diesmal mit Kurzzusammenfassung vor dem Link, damit niemand gezwungen ist, irrelevante Meldungen auf verhassten "News"-Seiten anzusurfen. Dieser Service wird Ihnen präsentiert von... mir! Diese Woche war es irgendwie ruhig, vermutlich weil alle verfügbare Irrelevanz von einem Thema aufgesogen wurde, weiter unter mehr...
Falls jemand weitere irrelevante Nachrichten findet, bitte an mich posten, ich werde sie dann hier veröffentlichen...
Diese Woche gab es folgende Nachrichten mit Irrelevanz:
Statistik: Trotz Krise - Mehr Deutsche machen sich selbständig
Trotz? Wegen!
In Zeiten, in denen Scheinselbständigkeit gefördert und teure Programme für Arbeitslose aufgelegt werden, die zu nicht lange lebensfähigen "Firmen" führen, gibt es wegen der Krise mehr Selbständige. Aber zum Schönreden waren Statistiken ja schon immer da...
Krise des Verlagswesen: Times und Sunday Times werden kostenpflichtig
Ja, das wird sicher helfen!
Die nächstem Eskalationsstufen: Spiegel Online schimpft bereits über die bösen Raubleser, dann fordern die Verleger eine monatliche Nutzungsabgabe für jeden Menschen, der ein potentielles Empfangsgerät (Auge) bereithält und nach ein paar Geldkoffern bzw. aufgedeckten Politikerskandalen ist auf einmal ein politischer Wille da.
Politik: Obama fordert von Karzai Kampf gegen Korruption
Greif mal nem nackten Mann in die Tasche
Karzai fordert von Obama Kampf gegen Terror. EU fordert von Griechenland mehr Gelddisziplin. Öffentlichkeit fordert von der Kirche volle Aufklärung... Aber vielleicht ist der Obama doch ein versteckter Pirat. Als versteckter Weltretter und versteckter Kommunist ist er ja inzwischen gescheitert, aber da könnte noch was gehen.
Thema der Woche: Kachelmann - wie ist er wirklich?
Der Mensch hinter dem Monster. Oder war es umgekehrt?
Bitte nicht falsch verstehen. Eine Vergewaltigung oder Gewalt in einer Beziehung sind keineswegs irrelevant. Aber wie bestimmte Medien mit Meldungen wie "Wer ist Kachelmann?", "Das geheime Liebesleben des Wettermanns", "Softie oder Macho?" und "Person X spricht: Ich weiß auch nichts" mit dem Thema umgehen, das ist an Ekelhaftigkeit kaum noch zu überbieten. Aber sie bedienen damit offenbar nur das "Dem sieht man's schon an"- und "Ich hab's schon immer gewußt"-Publikum.
Geschrieben von Ernst-J. Preussler
in Fernsehen, Gesellschaft, Irrelevanz, Medien, Piraten, Politik
um
00:33
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Montag, 22. März 2010
Die gelähmte Partei
Die Piratenpartei wirkt auf mich in den letzten Wochen wie gelähmt. Ein kaum noch handlungsfähiger Bundesvorstand und allenthalben ebenso überforderte Landesvorstände sowie eine passive Basis zeigen uns in einem desolaten Zustand. Natürlich ist nicht alles so schlimm, wie es auf den ersten Blick scheinen mag und andere Parteien hatten auch ihre Krisen oder stecken seit Jahren in einer wie z.B. die SPD. Doch sollte die Krise der Anderen keine Entschuldigung sein, nicht wenigstens nach den Ursachen zu forschen.
Wieso funktioniert das alles nicht mehr so wie vor der Bundestagswahl? Es gibt viele Faktoren, einer davon ist ein gewisses Ruhebedürfnis der aktiven Wahlkämpfer, ein anderer die zumindest zum Teil gestoppten oder aufgeschobenen Regierungsvorhaben der letzten Jahre. Doch die wichtigsten Ursachen liegen intern begraben. Die Mitglieder der Piratenpartei haben zum Großteil noch nicht begriffen, daß sie nun eben einer Partei angehören. Wer das Ganze als Bürgerbewegung gesehen hat, sollte sich fragen, wozu denn überhaupt eine Parteigründung notwendig gewesen ist. "Piraten" hat es auch schon vor der Piratenpartei gegeben und es wird sie auch nach ihr geben, nämlich Menschen, die sich für Bürgerrechte, Freiheit, Demokratie und Transparenz einsetzen. Organisationen wie die Humanistische Union, FoeBuD oder der AK Vorrat sowie Einzelpersonen wie Franziska Heine, Bettina Winsemann oder Altpolitiker der FDP wie Gerhart Baum zeigen, daß die grundlegende Idee nicht auf eine Partei beschränkt sein muß, ja es nicht mal sein darf!
Die Piratenpartei sollte der politische Arm dieser (Nicht-Nur-)Internetbewegung sein bzw. werden. So wie die SPD Hand in Hand mit den Gewerkschaften groß wurde (und jetzt ohne sie auf einmal wieder klein) oder die Grünen mit Umweltbewegungen, so könnten die Piraten das Sprachrohr einer ganzen Generation werden. Doch dazu müßten wir überhaupt erst einmal begreifen, daß die Partei nun auf einmal nicht alles selbst machen muß, sondern es eben wie bisher machen lassen sollte. Der Bewegung entgleitet die Jeder-Macht-Was-Idee, weil diese Ideen offenbar gerade in Strukturen und Hierarchien gegossen werden. Dies stößt einen Teil der Bewegung ab und lähmt den Rest wegen chronischer Überlastung.
Fast alle aktiven Piraten sind inzwischen in den Vorständen gebunden, die sich bis auf Kreisebene runter gegründet haben. Da Mehrfachämter ausgeschlossen sind (an sich eine gute Idee) dürfen sogar die laut Satzungen notwendigen Rechnungsprüfer keine anderen Ämter mehr bekleiden. Damit werden pro Vorstand zwischen 5 und 10 Leute in Ämter gebunden und ersticken an Organisationsdefiziten, die sich erst durch die zahlreichen Gründungen ergeben. Politsche Arbeit findet nicht mehr statt, sie kann es schlicht nicht mehr, denn die Vorstände sind rastlos und wähnen sich von der Basis getrieben (teilweise zu Recht), sind aber gleichzeitig mutlos und ängstlich.
Dazu haben sie allen Grund, denn jede verkehrte Äußerung, jede dumme Aktion (die zwangsläufig geschehen muß bei Politikamateuren) wird hochgekocht und netz-piratig-nerdig zum Flamewar ausgebaut. Natürlich hat der Fall Aaron König dabei eine Rolle gespielt, da er jedem Vorstand vorgeführt hat, was passieren könnte, wenn einmal ein mißverständliches Wort fallen sollte. Müßig zu erwähnen - aber das habe ich bereits in einem anderen Beitrag geschrieben - daß der Fall König etwas mehr als ein Mißverständnis war. Trotzdem sind die teilweise abstrusen Vorwürfe nicht immer gerechtfertigt gewesen, aber sie sind in den Köpfen hängengeblieben. Aus diesem Grund verwalten die Vorstände ihre Kreise und Länder und verlieren sich in Aktionismus und Aufrufen.
Was fehlt sind Visionen. Es sollte nicht darum gehen, anderen Menschen nachzulaufen, aber ein gewählter Vorstand sollte doch sowohl die Kompetenz als auch das Vertrauen haben, auch mal öffentlichkeitswirksam für die Piraten zu werben und über das aktuelle Parteiprogramm hinauszuschauen. Derzeit stellen die meisten Vorstände ihre vorherige Arbeit ein und gehen damit als "aktive" Piraten verloren. Es ist kein Wunder, daß sich nur noch wenig bewegt, denn eines sollte uns allen klar sein: Auch bei den Piraten ist der Löwenanteil der Mitglieder eher passiv.
Wie kann sich das ändern? Indem die Piratenpartei endlich den Ball wieder der Bewegung zuspielt. Laßt die Leute machen und planen und demonstrieren und laßt sie uns dabei unterstützen. Bei jeder Verfassungsbeschwerde ein Rundbrief (eher eine Rundmail) an alle mit der Bitte um Unterstützung oder Spenden. Ein aktives Bewerben sinnvoller Aktionen und Organisationen auf Webseiten oder in Presseerklärungen. Überhaupt mehr Öffentlichkeit herstellen wäre die Devise. Die Piratenpartei ist auch mit 2 bis 5% der Wählerstimmen ein politisches Gewicht. Wir hatten fast eine Million Wähler, das kann man nicht ignorieren, das kann keine Partei in Deutschland ignorieren! Piratenvorstände sollten sich bemühen, in Diskussionsrunden, Podiumsdiskussionen oder sogar Talkshows zu gelangen und sich dort ordentlich zu präsentieren (jedem Recht machen kann man es sowieso nicht, irgendwer findet immer irgendjemanden peinlich).
Die Partei braucht interne aber auch externe Experten, die endlich den viel geforderten Anspruch nach Wissenschaftlichkeit, Belegbarkeit und Integrität in das politische Programm hineinbringen. Nicht eine der offiziellen Positionen ist bis zum heutigen Tag wirklich ausgearbeitet worden, wird es versucht, wird es von einigen wenigen totgeschrien. Bitte nicht falsch verstehen: Dies ist keine Abkehr von der Basisdemokratie, denn das Recht, über alles unvoreingenommen und kritisch abzustimmen, ist das wichtigste Gut. Derzeit kommt es aber nicht mal zur Abstimmung, weil unter dem Deckmantel des Konsens gar kein Entwurf über das Entwurfsstadium hinauskommt.
Der Versuch, die Internetgemeinde zu vereinnahmen, ist gescheitert. Laßt sie uns als Partner begrüßen und unterstützen, dann wird sich auch neuer Schwung im politischen Getriebe der Partei einstellen. Geben wir den Menschen in der Partei die Chance, sich zu zeigen und nicht hinter Strukturen zu verstecken. Laßt uns rumspinnen und Visionen entwickeln, wegschmeißen kann man es immer noch. Und bitte laßt euch nicht von den anderen Parteien einlullen. Da ändert sich nichts, aber wir können was ändern.
Und nun frei nach Heise: Macht mich rot!
Wieso funktioniert das alles nicht mehr so wie vor der Bundestagswahl? Es gibt viele Faktoren, einer davon ist ein gewisses Ruhebedürfnis der aktiven Wahlkämpfer, ein anderer die zumindest zum Teil gestoppten oder aufgeschobenen Regierungsvorhaben der letzten Jahre. Doch die wichtigsten Ursachen liegen intern begraben. Die Mitglieder der Piratenpartei haben zum Großteil noch nicht begriffen, daß sie nun eben einer Partei angehören. Wer das Ganze als Bürgerbewegung gesehen hat, sollte sich fragen, wozu denn überhaupt eine Parteigründung notwendig gewesen ist. "Piraten" hat es auch schon vor der Piratenpartei gegeben und es wird sie auch nach ihr geben, nämlich Menschen, die sich für Bürgerrechte, Freiheit, Demokratie und Transparenz einsetzen. Organisationen wie die Humanistische Union, FoeBuD oder der AK Vorrat sowie Einzelpersonen wie Franziska Heine, Bettina Winsemann oder Altpolitiker der FDP wie Gerhart Baum zeigen, daß die grundlegende Idee nicht auf eine Partei beschränkt sein muß, ja es nicht mal sein darf!
Die Piratenpartei sollte der politische Arm dieser (Nicht-Nur-)Internetbewegung sein bzw. werden. So wie die SPD Hand in Hand mit den Gewerkschaften groß wurde (und jetzt ohne sie auf einmal wieder klein) oder die Grünen mit Umweltbewegungen, so könnten die Piraten das Sprachrohr einer ganzen Generation werden. Doch dazu müßten wir überhaupt erst einmal begreifen, daß die Partei nun auf einmal nicht alles selbst machen muß, sondern es eben wie bisher machen lassen sollte. Der Bewegung entgleitet die Jeder-Macht-Was-Idee, weil diese Ideen offenbar gerade in Strukturen und Hierarchien gegossen werden. Dies stößt einen Teil der Bewegung ab und lähmt den Rest wegen chronischer Überlastung.
Fast alle aktiven Piraten sind inzwischen in den Vorständen gebunden, die sich bis auf Kreisebene runter gegründet haben. Da Mehrfachämter ausgeschlossen sind (an sich eine gute Idee) dürfen sogar die laut Satzungen notwendigen Rechnungsprüfer keine anderen Ämter mehr bekleiden. Damit werden pro Vorstand zwischen 5 und 10 Leute in Ämter gebunden und ersticken an Organisationsdefiziten, die sich erst durch die zahlreichen Gründungen ergeben. Politsche Arbeit findet nicht mehr statt, sie kann es schlicht nicht mehr, denn die Vorstände sind rastlos und wähnen sich von der Basis getrieben (teilweise zu Recht), sind aber gleichzeitig mutlos und ängstlich.
Dazu haben sie allen Grund, denn jede verkehrte Äußerung, jede dumme Aktion (die zwangsläufig geschehen muß bei Politikamateuren) wird hochgekocht und netz-piratig-nerdig zum Flamewar ausgebaut. Natürlich hat der Fall Aaron König dabei eine Rolle gespielt, da er jedem Vorstand vorgeführt hat, was passieren könnte, wenn einmal ein mißverständliches Wort fallen sollte. Müßig zu erwähnen - aber das habe ich bereits in einem anderen Beitrag geschrieben - daß der Fall König etwas mehr als ein Mißverständnis war. Trotzdem sind die teilweise abstrusen Vorwürfe nicht immer gerechtfertigt gewesen, aber sie sind in den Köpfen hängengeblieben. Aus diesem Grund verwalten die Vorstände ihre Kreise und Länder und verlieren sich in Aktionismus und Aufrufen.
Was fehlt sind Visionen. Es sollte nicht darum gehen, anderen Menschen nachzulaufen, aber ein gewählter Vorstand sollte doch sowohl die Kompetenz als auch das Vertrauen haben, auch mal öffentlichkeitswirksam für die Piraten zu werben und über das aktuelle Parteiprogramm hinauszuschauen. Derzeit stellen die meisten Vorstände ihre vorherige Arbeit ein und gehen damit als "aktive" Piraten verloren. Es ist kein Wunder, daß sich nur noch wenig bewegt, denn eines sollte uns allen klar sein: Auch bei den Piraten ist der Löwenanteil der Mitglieder eher passiv.
Wie kann sich das ändern? Indem die Piratenpartei endlich den Ball wieder der Bewegung zuspielt. Laßt die Leute machen und planen und demonstrieren und laßt sie uns dabei unterstützen. Bei jeder Verfassungsbeschwerde ein Rundbrief (eher eine Rundmail) an alle mit der Bitte um Unterstützung oder Spenden. Ein aktives Bewerben sinnvoller Aktionen und Organisationen auf Webseiten oder in Presseerklärungen. Überhaupt mehr Öffentlichkeit herstellen wäre die Devise. Die Piratenpartei ist auch mit 2 bis 5% der Wählerstimmen ein politisches Gewicht. Wir hatten fast eine Million Wähler, das kann man nicht ignorieren, das kann keine Partei in Deutschland ignorieren! Piratenvorstände sollten sich bemühen, in Diskussionsrunden, Podiumsdiskussionen oder sogar Talkshows zu gelangen und sich dort ordentlich zu präsentieren (jedem Recht machen kann man es sowieso nicht, irgendwer findet immer irgendjemanden peinlich).
Die Partei braucht interne aber auch externe Experten, die endlich den viel geforderten Anspruch nach Wissenschaftlichkeit, Belegbarkeit und Integrität in das politische Programm hineinbringen. Nicht eine der offiziellen Positionen ist bis zum heutigen Tag wirklich ausgearbeitet worden, wird es versucht, wird es von einigen wenigen totgeschrien. Bitte nicht falsch verstehen: Dies ist keine Abkehr von der Basisdemokratie, denn das Recht, über alles unvoreingenommen und kritisch abzustimmen, ist das wichtigste Gut. Derzeit kommt es aber nicht mal zur Abstimmung, weil unter dem Deckmantel des Konsens gar kein Entwurf über das Entwurfsstadium hinauskommt.
Der Versuch, die Internetgemeinde zu vereinnahmen, ist gescheitert. Laßt sie uns als Partner begrüßen und unterstützen, dann wird sich auch neuer Schwung im politischen Getriebe der Partei einstellen. Geben wir den Menschen in der Partei die Chance, sich zu zeigen und nicht hinter Strukturen zu verstecken. Laßt uns rumspinnen und Visionen entwickeln, wegschmeißen kann man es immer noch. Und bitte laßt euch nicht von den anderen Parteien einlullen. Da ändert sich nichts, aber wir können was ändern.
Und nun frei nach Heise: Macht mich rot!
Geschrieben von Ernst-J. Preussler
in Gesellschaft, Medien, Piraten, Politik
um
22:26
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Irrelevanz der Woche 2010/11
Der etwas andere Wochenrückblick
Zwar nicht mehr ganz Sonntag, aber für mich endet der "Tag" erst mit der nächtlichen Bettruhe
Ich wurde gefragt, warum ich denn fast nur Meldungen von Heise oder Spiegel Online zitiere. Das liegt daran, daß irrelevante Nachrichten unverändert in allen Medien auftauchen. Selbstverständlich könnte ich auch auf Focus Online (Spiegel-Klon), FAZ, Rundschau, das Handelsblatt oder sogar Bild Online verweisen. Es würde nichts, aber auch gar nichts an der Sinnlosigkeit der Nachrichten ändern. Erschreckend, wenn man mal länger darüber nachdenkt, nicht wahr?
Falls jemand weitere irrelevante Nachrichten findet, bitte an mich posten, ich werde sie dann hier veröffentlichen...
Diese Woche gab es folgende Nachrichten mit Irrelevanz:
...von hinten durchs Knie ins Auge
Diese Politiker können noch so viele Twitter-Accounts und Webseiten haben, ein runder Tisch bestehend aus Politikern und Journalisten dient vor allem der Ausgrenzung derjenigen, die das Netz ausmachen. Laßt euch nicht blenden, es wird alles noch viel schlimmer werden!
Fernsehen böser als alle anderen
Schlimm genug, daß es derartige Meinungsmacher gibt und auch weiterhin geben wird. Was die Meldung jedoch völlig irrelevant macht, ist die völlige Abwesenheit von Vergleichszahlen. Aber die methodisch saubere Veröffentlichung von Statistiken ist nicht so die Sache der Presse...
Soziale und menschliche Gesellschaft wohl auch kaum
Die nächste Studie voller Buzzwords und heißer Luft. Der klassische Nerd ist also männlich, 40, gut verdienend und unverheiratet. Selten so etwas Schwachsinniges gelesen!
Stellen Sie sich einfach vor, sie hätten das Geld anderer Leute verspielt...
Sollte ja nicht zu schwer fallen. Stellt sich nur die Frage, wieso die Konservativen immer noch als wirtschafts- und finanzkompetent in diesem Land gelten. Unfaßbar.
Zwar nicht mehr ganz Sonntag, aber für mich endet der "Tag" erst mit der nächtlichen Bettruhe
Ich wurde gefragt, warum ich denn fast nur Meldungen von Heise oder Spiegel Online zitiere. Das liegt daran, daß irrelevante Nachrichten unverändert in allen Medien auftauchen. Selbstverständlich könnte ich auch auf Focus Online (Spiegel-Klon), FAZ, Rundschau, das Handelsblatt oder sogar Bild Online verweisen. Es würde nichts, aber auch gar nichts an der Sinnlosigkeit der Nachrichten ändern. Erschreckend, wenn man mal länger darüber nachdenkt, nicht wahr?
Falls jemand weitere irrelevante Nachrichten findet, bitte an mich posten, ich werde sie dann hier veröffentlichen...
Diese Woche gab es folgende Nachrichten mit Irrelevanz:
...von hinten durchs Knie ins Auge
Diese Politiker können noch so viele Twitter-Accounts und Webseiten haben, ein runder Tisch bestehend aus Politikern und Journalisten dient vor allem der Ausgrenzung derjenigen, die das Netz ausmachen. Laßt euch nicht blenden, es wird alles noch viel schlimmer werden!
Fernsehen böser als alle anderen
Schlimm genug, daß es derartige Meinungsmacher gibt und auch weiterhin geben wird. Was die Meldung jedoch völlig irrelevant macht, ist die völlige Abwesenheit von Vergleichszahlen. Aber die methodisch saubere Veröffentlichung von Statistiken ist nicht so die Sache der Presse...
Soziale und menschliche Gesellschaft wohl auch kaum
Die nächste Studie voller Buzzwords und heißer Luft. Der klassische Nerd ist also männlich, 40, gut verdienend und unverheiratet. Selten so etwas Schwachsinniges gelesen!
Stellen Sie sich einfach vor, sie hätten das Geld anderer Leute verspielt...
Sollte ja nicht zu schwer fallen. Stellt sich nur die Frage, wieso die Konservativen immer noch als wirtschafts- und finanzkompetent in diesem Land gelten. Unfaßbar.
Geschrieben von Ernst-J. Preussler
in Gesellschaft, Informatik, Irrelevanz, Medien, Piraten, Politik
um
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