Endlich habe ich mal wieder etwas Zeit gefunden, um zu lesen. Und wenn die Gelegenheit dazu hauptsächlich bei der Bahnfahrt besteht, fängt man nicht unbedingt mit den Buddenbrooks oder Faust an, sondern mit seichter Unterhaltung. Aber bitte nicht falsch verstehen! Jede Literatur, die mich unterhält, ist gute Literatur und selbst in noch so schlechten Romanen kann sich wenigstens eine gute Idee verstecken (und als Rollenspieler werden gute Ideen gerne aufgenommen).
Es bot sich somit der Meister des Trivialen an: Dan Brown mit "The lost symbol", der nächsten Schnitzeljagd nach Illuminati (Angels and Demons) und Sakrileg (Da Vinci Code). Zum dritten mal schickt der Autor seinen Lieblingsprotagonisten Robert Langdon auf die Suche nach spiritueller Erleuchtung, diesmal jedoch - im Gegensatz zu den ersten beiden Bänden - nicht in Europa, sondern in seinem Heimatland, den vereinigten Staaten von Amerika. Vermutlich haben Browns Verleger gemault, daß er "immer in Europa unterwegs sei" und ob er nicht mal was zu "God's own country" schreiben könne. So nach dem Motto: Auch wir haben eine Geschichte. Stimmt, nur ist sie bei weitem nicht so interessant wie die europäische, was jedoch - zugegebenermaßen - auch daran liegen könnte, daß ich als Europäer wenig darüber weiß und noch weniger damit anfangen kann.
Also werden nun sämtliche Wahrzeichen Washingtons nach Rätseln und Symbolen abgeklappert, um den entscheidenden Hinweis auf die nächste Etappe der Reise zu finden. Dazu gibt es den üblichen bösartigen Gegenspieler und irgendeine dritte Partei, die mal gut und dann wieder böse zu sein scheint. So weit, so Illuminati. Brown bedient sich sämtlicher Verschwörungstheorien aus Wikipedia, bringt die neuesten esoterischen Weisheiten ein (gefühlt 20 Jahre alt...) und bietet am Schluß eine Lösung, die den geneigten Star-Wars-Kenner um den Restverstand bringen dürfte. Leider endet das Buch nicht mit dem "Clou", sondern zieht sich danach noch ewig (gefühlt!) in die Länge, ohne die wenigstens vorhandene Dynamik des Anfangs beizubehalten.
Ich habe mir - weil ich den Stil der Vorgänger etwas simpel fand - dieses Machwerk auf englisch angetan, in der Hoffnung, es sei im Original etwas herausfordernder. Leider ist dem nicht so. Brown schreibt wie ein mittelmäßiger Abiturient, voller Klischees und farbiger Metaphern. Von den ca. sieben bis acht Merkmalen, die einen guten Schriftsteller (bzw. ein gutes Buch) ausmachen, erfüllt er gerade mal eins: Er schreibt spannend. Wenn halt auch nur bis zum Höhepunkt des Romans. Danach fragt man sich mit jeder weiteren Seite, wieso man Geld und Zeit investiert hat, wenn sogar das Starren aus der fahrenden S-Bahn mehr Abwechslung verspricht als weiterzulesen.
Dazu kommt, daß die Aufteilung des Romans in über 130 Kapitel (teilweise eins pro Seite!) schon verrät, wohin die Reise geht: Nämlich nach Hollywood. Es handelt sich genau genommen um ein überlanges Drehbuch, welches als Blaupause für den kommenden Blockbuster dienen kann. Das wäre vielleicht gar nicht so verkehrt, denn Browns Bücher gewinnen, wenn sie für die Leinwand adaptiert werden, gewaltig an Qualität. Die visuelle Bildgewalt der ausgewählten Schauplätze und der vorhandene Spannungsbogen bieten sich für eine filmische Umsetzung geradezu an. In Zukunft werde ich das beachten und Browns Romane nicht mehr lesen, sondern nur noch sehen. Da haben wir alle mehr von.
Montag, 15. März 2010
The lost Simbel
Geschrieben von Ernst-J. Preussler
in Kulturelles, Literatur
um
22:00
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Endlich habe ich mal wieder etwas Zeit gefunden, um zu lesen. Und wenn die Gelegenheit dazu hauptsächlich bei der Bahnfahrt besteht, fängt man nicht unbedingt mit den Buddenbrooks oder Faust an, sondern mit seichter Unterhaltung. Aber bitte nicht falsch verstehen! Jede Literatur, die mich unterhält, ist gute Literatur und selbst in noch so schlechten Romanen kann sich wenigstens eine gute Idee verstecken (und als Rollenspieler werden gute Ideen gerne aufgenommen). Es bot sich somit der Meister des Trivialen an: Dan Brown mit \"The lost symbol\", der nächsten Schnitzeljagd nach Illuminati (Angels and Demons) und Sakrileg (Da Vinci Code). Zum dritten mal schickt der Autor seinen Lieblingsprotagonisten Robert Langdon auf die Suche nach spiritueller Erleuchtung, diesmal jedoch - im Gegensatz zu den ersten beiden Bänden - nicht in Europa, sondern in seinem Heimatland, den vereinigten Staaten von Amerika. Vermutlich haben Browns Verleger gemault, daß er \"immer in Europa unterwegs s
Montag, 29. Oktober 2007
Dumblehardcore
Zuerst einmal ein Disclaimer für die üblichen politisch korrekten Schwachmaten: Ich bin mit einem Schwulen befreundet, also darf ich was dazu schreiben!
So, Dumledore ist laut Rowling also schwul. Vermutlich das literarisch bedeutsamste Outing seitdem sich Mickey Mouse als Maus geoutet hat. Fragt sich, warum sie ausgerechnet Dumbledores nicht vorhandene Sexualität thematisiert, da in ihren Büchern ansonsten Sex keinerlei Rolle spielt (außer den üblichen Teenager-Knutsch-Berichten auf Vorschulniveau). Wie sieht es denn sonst so aus? Warum werden nicht auch andere Fragen beantwortet wie "Menstruieren Ginny und Hermine?", "Haben die Weaslys schon mal was von Verhütung gehört?", "Teilen sich Fred und George auch die Freundin oder treiben es zu dritt?", "Wo geht es zum S/M-Folterkeller von Draco Malfoy?", "Riesen und Menschen, wie geht das überhaupt?" und, und, und.
Das Dumbledore jetzt schwul gewesen sein soll, bringt der Schwulenbewegung ungefähr so viel wie der nächste Partybericht von Wowi und Westerwelle. Ein zölibatär lebender, skuriller Supermagier und Schuldirektor für Heranwachsende, da feiern die Kretinisten (hieß doch so, oder?) in den USA wieder fröhlich Urständ
. Und ob Frau Rowling noch ermessen kann, daß sie ein nettes Fantasy-Epos für Kinder, Jugendliche und Junggebliebene geschrieben hat und daß dies weder den Hite-Report 2007 ersetzen kann noch den kommenden Literaturnobelpreis bedeuten wird? Was kommt als nächstes? Käpt'n Ahab war Sodomist?
So, Dumledore ist laut Rowling also schwul. Vermutlich das literarisch bedeutsamste Outing seitdem sich Mickey Mouse als Maus geoutet hat. Fragt sich, warum sie ausgerechnet Dumbledores nicht vorhandene Sexualität thematisiert, da in ihren Büchern ansonsten Sex keinerlei Rolle spielt (außer den üblichen Teenager-Knutsch-Berichten auf Vorschulniveau). Wie sieht es denn sonst so aus? Warum werden nicht auch andere Fragen beantwortet wie "Menstruieren Ginny und Hermine?", "Haben die Weaslys schon mal was von Verhütung gehört?", "Teilen sich Fred und George auch die Freundin oder treiben es zu dritt?", "Wo geht es zum S/M-Folterkeller von Draco Malfoy?", "Riesen und Menschen, wie geht das überhaupt?" und, und, und.
Das Dumbledore jetzt schwul gewesen sein soll, bringt der Schwulenbewegung ungefähr so viel wie der nächste Partybericht von Wowi und Westerwelle. Ein zölibatär lebender, skuriller Supermagier und Schuldirektor für Heranwachsende, da feiern die Kretinisten (hieß doch so, oder?) in den USA wieder fröhlich Urständ
Geschrieben von Ernst-J. Preussler
in Gesellschaft, Literatur
um
16:21
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Zuerst einmal ein Disclaimer für die üblichen politisch korrekten Schwachmaten: Ich bin mit einem Schwulen befreundet, also darf ich was dazu schreiben! So, Dumledore ist laut Rowling also schwul. Vermutlich das literarisch bedeutsamste Outing seitdem sich Mickey Mouse als Maus geoutet hat. Fragt sich, warum sie ausgerechnet Dumbledores nicht vorhandene Sexualität thematisiert, da in ihren Büchern ansonsten Sex keinerlei Rolle spielt (außer den üblichen Teenager-Knutsch-Berichten auf Vorschulniveau). Wie sieht es denn sonst so aus? Warum werden nicht auch andere Fragen beantwortet wie \"Menstruieren Ginny und Hermine?\", \"Haben die Weaslys schon mal was von Verhütung gehört?\", \"Teilen sich Fred und George auch die Freundin oder treiben es zu dritt?\", \"Wo geht es zum S/M-Folterkeller von Draco Malfoy?\", \"Riesen und Menschen, wie geht das überhaupt?\" und, und, und. Das Dumbledore jetzt schwul gewesen sein soll, bringt der Schwulenbewegung ungefähr so viel wie d
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